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Thema: Findelkaninchen (2543-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Findelkaninchen

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Hallo,

pünktlich zu Ferienbeginn hat ein freundlicher Zeitgenosse drei kleine Widder auf der Wiese neben unserem Garten ausgesetzt.
Nach erfolgloser Besitzersuche haben wir uns entschlossen, sie zu behalten.
Es handelt sich um zwei Böcke und ein Weibchen.  Ein Bock und das Weibchen waren immer nur zusammen zufrieden, der zweite Bock wurde von den beiden gemobbt und bekam daraufhin einen Einzelkäfig.
Der zweite Bock wird jetzt kastriert (er ist zunächst geimpft worden, beim Tierarztbesuch wurde auch gleich festgestellt, dass das Weibchen bereits trächtig war (  :-\  ) .
Gestern hat sie nun geworfen (sie hat vorher kein Nest gebaut und sich ganz normal verhalten. Als wir vom Hundespaziergang wiederkamen, war bereits alles geschehen...)  Drei Babies waren gleich tot, das vierte lebt und liegt inmitten etwas aufgehäuftem Stroh und Fell. Dass sie sich da irgendwie drum kümmert, ist nicht ersichtlich, ist das normal?  Müssen wir da irgendwas tun, oder lieber ganz fernbleiben?
Vielen Dank für eure Hilfe (sind absolute Kaninchen-Neulinge, versuchen aber unser Bestes!)

Re:Findelkaninchen

Antwort #1
Hallöchen,

erst mal herzlich willkommen im Forum :)

Dann... wird nur ein Rammler kastriert oder beide??

Zum Nachwuchs: tut mir leid, dass es nur eins geschafft hat. Vielleicht ist die Häsin mit dem Nachwuchs einfach überfordert, vielleicht ist es Inzucht, vielleicht ist sie zu jung etc. Es kommt immer wieder vor, dass es nicht alle bzw. der ganze Wurf nicht schafft.

Kaninchenmütter bauen ein Nest aus Heu und Bauchwolle, damit die Kleinen es warm haben. Sie tut so als ob sie keinen Nachwuchs hat, um keine Fressfeinde anzulocken. D.h. sie säugt in der Regel nur 1 - 2 mal am Tag und dass nur nachts, wenn es keiner mitbekommt. Um zu sehen, ob das Kleine angenommen wird, solltest du morgens vorsichtig ins Nest schauen, ob das Milchbäuchlein prall gefüllt ist. Wenn ja, dann kümmert sich die Mutter vorbildlich darum, wenn nein, dann solltest du das Kleine von Hand aufziehen. Ein gute Anleitung zur Handaufzucht von Kaninchen findest du hier: Handaufzucht von Kaninchen

Zur Nestkontrolle: achte darauf, ob die Mutter aggressiv reagiert, wenn du ins Nest langen willst. Wenn ja, dann sollte sie für diese Zeit außerhalb des Käfigs unterwegs sein. Du brauchst ansonsten nichts besonderes beachten. Kaninchenmütter richten sich nicht nach dem Geruch der Kleinen, sondern danach wo sie das Nest gebaut haben.

Gruß
Seven

Re:Findelkaninchen

Antwort #2
Hallo,

wir hatten überlegt, nur den einen Rammler kastrieren zu lassen, weil er und die Häsin sich sehr zugetan sind. Wenn das Kleine es schafft und gross genug zum Abgeben ist UND nach seiner Kastration die Gefahr gebannt ist, dass er sie nicht gleich wieder deckt, dann wollen wir die beiden wieder zusammensetzen.
Eine Abnehmerin für das Kleine hätten wir schon, weiteren Nachwuchs soll es aber auf gar keinen Fall geben!!!!! (Für diesen konnten wir ja nix)

Der zweite Rammler ist extrem ängstlich und scheu (ausser mittlerweile bei meiner Tochter, die sich um ihn kümmert). Er reagiert auf die beiden anderen absolut panisch. Als wir sie gefunden haben, war er bis auf die Knochen abgemagert und an Schwanz und Hinterläufen völlig kahl. Ausserdem scheint auf seiner Stirn ein unsichtbares Schild mit der Aufschrift "Verkloppt mich" zu stehen, der er wird nicht nur von seinen Kollegen vermöbelt, sondern als einziger der drei auch von unserem Hund angeknurrt.  Die Notwendigkeit einer dringenden Kastration ist bei ihm somit im Moment nicht gegeben, da er sowieso am liebsten alleine in seinem Käfig sitzt. Er hat einen extra grossen bekommen, da er auch nicht gerne im Freilauf ist (der ist um das Käfig-Hochhaus drumrum gebaut und er wohnt im "Parterre", kaum ist er draussen, ist er auch schon wieder drin und sitzt in einem seiner Verstecke.
Später, wenn er sich weiter erholt hat, soll  er aber auch kastriert werden.

Habe gerade nochmal nachgesehen, das Kleine ist jetzt völlig mit Heu und Fell bedeckt, sie scheint somit zumindest dafür zu sorgen, dass es nicht erfriert, oder kriechen die Würmchen von selbst ins Warme?

Puh, schon wieder so lang, aber ich bin so froh, eure Seite gefunden zu haben.....

Schönes Wochenende
Nanny

Re:Findelkaninchen

Antwort #3
Yupp :) Nach der Kastration sollte aber eine Quarantäne von 6 Wochen eingehalten werden, da der Rest-Samen im Samenleiter noch so lange lebensfähig ist. Im Prinzip kann die Zusammenführung aber erst später stattfinden, wenn das Kleine alt genug zur Abgabe ist. Sprich mit ca. 10 Wochen.

Und... wäre es nicht gut, falls das Kleine ein Weibchen ist, wenn du es dann mit dem scheueren Rammler versuchst zu vergesellschaften?? D.h., wenn es denn eine sie ist und du es mit 10 Wochen mit dem Rammler vergesellschaftest besteht eine große Chance, dass bei ihrer Geschlechtsreife (mit ca. 12 Wochen) nicht gleich die große Rangordnungsklopperei los geht. Dazu müßte er dann aber auch rechtzeitig kastriert werden.

Wegen des Nestes: kommt darauf an, wie es liegt. Normalerweise bauen Wildkaninchen ihre Wurfhöhlen schräg in die Erde, damit die Kleinen, wenn sie beim säugen die Zitzen nicht loslassen wollen und Muttern davonspringt, wieder ins Nest zurückpurzeln. Wenn das Nest ebenerdig liegt, kann es gut passieren, dass das Kleine nicht los läßt und außerhalb vom Nest liegen bleibt und von alleine findet es nicht mehr zurück. Kaninchen haben aber nicht den Instinkt ihre Jungtiere wieder ins Nest zurückzutragen, sondern kümmern sich dann leider nicht mehr um die draußen liegenden. Wenn es geht versuch das Nest in Schräglage zu bringen, so dass es dann wieder zurückpurzeln kann. Im Nest selber kuscheln sich die Kleinen zum einen wieder selbst ein und zum anderen stopft die Mutter dann wieder das vorhandene Heu und Fell drauf.

Gruß
Seven

Re:Findelkaninchen

Antwort #4
Hallo,

es lebt immer noch  :)

Wir müssen uns alle SEEEHR zurückhalten, nicht aus lauter Besorgtheit jede Minute nachzusehen, ob das Kleine noch atmet. Trotzdem habe ich vorhin (Schande über mich) gaaanz vorsichtig etwas das Stroh gelupft und nachgesehen, ob es noch lebt (der Anblick der vier toten Babies war wohl doch etwas erschreckend......).
Die Kaninchenmama saß gerade bei ihrer Abendmahlzeit und hat mich zwar beobachtet, aber nicht weiter reagiert.
Als ich den Käfig wieder verschlossen hatte, hoppelte sie zu ihrem Nest und bedeckte es wieder mit Heu.  Da war ich doch etwas beruhigt, ich habe mir den ganzen Tag Sorgen gemacht, ob sie es annimmt und wenn nicht, wie lange es ohne Muttermilch überleben kann und ob ich nicht den richtigen Zeitpunkt versäume, einzugreifen (mache ich eigentlich immer noch......)  -seufz-

Die Idee, das Kleine (sofern weiblich) mit unserem Panik-Karnickel zusammenzubringen, gefällt mir! Wir hatten schon über die Möglichkeit nachgedacht, ein Meerschweinchen anzuschaffen, aber nachdem wir uns im Laufe des Nachmittags hier durch das Forum gekämpft haben und dabei auch auf "die Wahrheit über Kaninchen und Meerschweinchen" gestossen sind,  werden wir auf jeden Fall mal abwarten, was wir da bekommen haben. Vielleicht ist da ja wirklich endlich der Freund fürs Leben geboren. 

Liebe Grüsse

Nanny