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Thema: Lipom - unser Dewey ist gegangen (839-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Lipom - unser Dewey ist gegangen

Hallo liebe Kaninchenfreunde,

ich möchte Euch heute über unseren Dewey schreiben, der uns Mitte der Woche verlassen hat. Vielleicht können meine Erfahrungen ja noch jemanden helfen, der vielleicht ein ähnliches Problem hat.

Dewey war immer ein fittes und robustes Kerlchen, der gesundheitlich lange keine Probleme hatte. Nur wurde er immer dicker und ich wurde von mehreren Tierärzten dafür schwer mit Vorwürfen überschüttet, dass ich ihn falsch und zu viel füttern würde. Ich habe jedesmal gesagt, es KANN nicht von einer falschen Fütterung kommen, da er nur Frischfutter bekäme, kein Getreide und kein Kaninchen-Fertigfutter, er müsste irgendeine Krankheit haben. Anscheinend wurde mir nicht geglaubt. Bei jedem TA-Besuch immer wieder diese Aussage: falsche Fütterung, er muss dringend abnehmen, nur noch Heu und Wasser. Ich habe jedoch diese Diät nicht mit ihm gemacht, da ich mir sicher war, dass meine Fütterung (im Sommer Unmengen Wiese und Löwenzahn, Kräuter, Karotte oder Petersilienwurzel, im Winter Karottenkraut, Rucola, Karotte und Petersilienwurzeln, frische Kräuter wie Basilikum und Petersilie) nicht die Ursache für sein Übergewicht war. Außerdem wäre bei einer Diät auch unser zweites Kaninchen, Stupsi, betroffen gewesen, der garantiert kein Übergewicht hat.

Ostern hatte er dann eine akute Verstopfung. Es kam nichts mehr raus aus dem armen Tierchen. Wir waren beim Notdienst (mehrere verschiedene TÄ über die Feiertage), die ihn auch alle geröngt hatten. Das Röntgenbild war sehr verwirrend für die TÄ, unten war nur eine glatte, weiße Fläche zu sehen, die Organe waren alle nach oben geschoben. Wieder die Aussage: zu fett, er muss abnehmen. Er wurde gegen die Verstopfung behandelt (Paraffinöl, Infusion, Schmerzmittel etc.) und bekam von uns viele Bauchmassagen und nach einigen Tagen konnte er zum Glück wieder kötteln und er war wieder ok bis letzten Dienstag. Da hatten wir wieder das Problem mit der Verstopfung.

Ich bin gleich in der Nacht noch zum Not-TA (bei dem ich auch Ostern schon mal war), wieder die gleiche Behandlung und Aussage "zu fett". Nachdem es ihm am nächsten Morgen trotz Behandlung und Schmerzmittels immer noch nicht besser ging, bin ich zu einer neuen TÄ in unserer Stadt (da sich unsere Haustierärztin keine Zeit für uns nehmen wollte, da geh ich ganz sicher nicht mehr hin!). Sie machte ein Röntgenbild, dieses sah ähnlich aus wie die beiden Bilder, die Ostern von ihm gemacht wurden. Sie machte mir keine Vorwürfe, von wegen zu fett, sondern befürchtete, dass er einen Tumor im Bauch haben könnte. Gab ihm einen Einlauf und sagte, wenn der Einlauf bis zum Nachmittag keine Wirkung zeigen sollte, sollte ich mich wieder melden. Dann müsste sie ihn aufschneiden, um zu sehen, ob die Befürchtung mit dem Tumor stimmte.

Dewey's Zustand blieb unverändert, es ging im sehr schlecht. Also brachte ich ihn am Nachmittag zur OP. Sie schickte mich nach Hause und sagte mir, dass sie anrufen würde, sobald sie wisse, wie es im Bauch aussehe. Eine Stunde später kam der Anruf: Dewey hatte ein ca. 600 g schweres (bei einem Gewicht von 2.300 g!) Lipom, das mit allen Organen fest verwachsen war und nicht völlig abzutrennen sei. Auch war schon ein Stück Darm abgestorben und die Niere war schon sehr geschädigt. Sie sagte mir, wenn ich es möchte, würde sie versuchen, so viel wie möglich zu entfernen, aber dass es erstens sehr fraglich sei, ob er die OP überhaupt überleben würde - starke Blutungen, extreme Kreislaufbelastung 1. wegen der OP, 2 wegen der danach fehlenden 600 g) und dass wir in ca. einem halben Jahr dann wieder vor diesem Problem stünden, da das Lipom wieder nachwachsen werde. Ein Lipom ist ein gutartiges Fettgeschwür, das aber mit Fütterung nichts zu tun hat.

Da die Prognose mehr als schlecht war, empfahl sie mir, das Tier nicht weiter zu quälen, sondern dass wir ihn aus der Narkose nicht mehr aufwachen lassen sollten. Dem stimmte ich dann schweren Herzens zu, ich wollte ihm weiteres Leiden ersparen. Sie hat mir gezeigt, was sie alles aus ihm rausgeschnitten hat, man kann sich diese Menge in so einem kleinen Kaninchen wirklich nicht vorstellen. Ich habe mich nur gewundert, wie er damit doch eine relativ lange Zeit noch ein so gutes Leben haben konnte, denn es ging ihm nicht schlecht bis vor ein paar Tagen. Er hat mit gutem Appetit gefressen, ist fröhlich rumgehoppelt und hat mit Stupsi gekuschelt.

Ich tröste mich damit, dass ich mir sage, er hat ein wirklich tolles 4 1/2 jähriges Kaninchenleben gehabt, was sicher besser ist, als 10 Jahre allein eingesperrt in einem kleinen Käfig zu leben - was ja leider das Schicksal von einem Großteil der Kaninchen ist. Trotzdem fehlt er natürlich ....

Wenn jemand ein Kaninchen hat, das aus unerklärlichen Gründen immer dicker wird, könnte das die Ursache sein. Ich bin mir sicher, dass es noch gut zu entfernen gewesen wäre, wenn es rechtzeitig erkannt worden wäre (wurden ja genügend Röntgenaufnahmen gemacht).

Jetzt muss ich mal sehen, wie es mit Stupsi weitergehen wird. Ein zweites Kaninchen kann ich mir aus mehreren persönlichen Gründen nicht mehr holen. Wenn ich kein gutes Plätzchen für ihn finde, wird er leider allein bleiben müssen.

 

Antw:Lipom - unser Dewey ist gegangen

Antwort #1
Danke, dass du uns an deiner Erfahrung teilhaben lässt.
Ich bin ein Köttbullar-​Samla!

"Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen."
Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph