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Thema: chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose (1239-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Hallo,
Monty hat ja leider schon immer Probleme gehabt mit seinem Trän-Nasen-Kanal der immer verstopft war, jetzt war es lange gut aber jetzt hat er es wieder schlimmer. Heißt sein Auge eitert und ist dick und rot und er nießt ab und zu und kann halt nicht so gut atmen. Waren grade beim TA und die meinte das liegt an einem Zahn, der wackelt auch eitert und möglicherweise entzündet ist. Sie hat uns dazu geraten den Zahn zu ziehen, natürlich unter Vollnarkose. Wir sind uns jetzt nicht sicher ob wir das machen werden, weil bei einer Narkose ja immer ein gewisses Risiko besteht, auch wenn es nur etwas kleines, einfaches ist. Außerdem ist Monty ja sowieso schon ein bisschen "behindert", also immer so in seiner eigenen Welt und bemerkt mich oft nicht. Deshalb mache ich mir sorgen dass er aus der Narkose nicht mehr aufwacht. Andererseits will ich das auch nicht so lassen, da es ihn ja auch sehr beeinträchtigt. Habt ihr Erfahrungen mit Zähne ziehen unter Narkose? Was würdet ihr machen? Ich würde mich über antworten freuen;)
Lg

Antw:chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Antwort #1
Hallo

mein Kaninchen bekam im April einen Zahn gezogen und ich würd das immer wieder machen lassen. Je nach dem, was genau los ist, kann das Ziehen von Zähnen dem Kaninchen zu deutlich mehr Lebensqualität verhelfen.

Mein Kaninchen hat zwar auch nach dem Ziehen noch Probleme, es eitert auch wieder aus dem Zahnfach  :-\, aber das Kaninchen war bereits wenige Tage nach der Operation wie ausgetauscht. Früher war Floh oft grantig und ständig aggressiv gegenüber den anderen Kaninchen. Und seit der Zahn draussen ist ist er VIEL verträglicher und lieber.

Ich schiebe das drauf, dass das auch an den Schmerzen liegt, die so ein entzündeter Zahn verursacht  :-[.


Ein Zahn, der wackelt und eitert ist für ein Kaninchen (höchstwahrscheinlich) höchst schmerzhaft. Einen solchen Zahn drinnen lassen wäre daher für mich keine Option. Mir wäre nämlich sogar "lieber" mein Tier überlebt die Operation nicht (was nur sehr selten vorkommt), als dass es ständig schlimm leidet an etwas, das man operieren könnte.

Denn wenn der Zahn drin bleibt, wird die Krankheit vermutlich fortschreiten und der Zahn voraussichtlich immer grössere Schäden anrichten. Blöderweise können bei Kaninchen die Zahnwurzeln auch krankhaft nach Innen wachsen.
Das kann soweit gehen, dass die Zähne von Innen her den Tränennasenkanal komplett verstopfen oder sogar durch den Knochen in die Augenhöhle wachsen   :-X. Und auch Abzesse entstehen leider gerne, wenn Zahnwurzeln entzündet sind und eitern  :-[.

Ich würd euch aber empfehlen, vor der Operation Röntgenbilder anzufertigen (wenn er nicht schon welche habt) und abzuklären, wie denn der Zustand der anderen Zähne ist.
Wenn man 1-2 Zähen ziehen muss, ist die Prognose ganz gut, dass das Kaninchen nach dem Verheilen der Wunden von seinen Schmerzen befreit ist und gut leben kann.  :)
Falls deine Tierärztin nicht Kaninchenzahnspezialistin ist, kann es sich lohnen, die Rötgenbilder ggf. auch einer Spezialistin zu zeigen. Ohne Erfahrung wird nämlich schnell mal was übersehen, da es beim Interpretieren der Bilder sehr auf kleinste Details ankommt.
Einen Zahn ziehen zu lassen, wenn alle anderen Zähne auch entzündet sind, u.a. hingegen, macht die Prognose schon deutlich schlechter.

Ich drücke die Daumen
Lina

Antw:chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Antwort #2
Danke für die Antwort! Über Röntgen haben wir noch garnicht nachgedacht. Geht das denn ohne Narkose? Wir wollen ja nicht zwei mal so kurz hintereinander das Narkoserisiko eingehen wenn es nicht unbedingt sein muss... wenn er sonst gesund wäre, würde ich mir wegen der Narkose auch keine allzu großen Sorgen machen, aber er ist ja wie gesagt oft geistig abwesend und halt so in seiner eigenen Welt und bemerkt mich manchmal nicht... ihm geht es ja sonst sehr gut, er frisst und hoppelt herum also er ist ja nicht wirklich krank, aber wenn er sogar normalerweise schon ab und zu so weggetreten ist, ist das Risiko doch höher als bei einem sonst rundum gesunden Kaninchen, oder?
Lg

Antw:chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Antwort #3
Hallo,
je nach dem, wie ruhig ein Kaninchen sitzt, kann gegebenenfalls ohne Narkose geröntgt werden. Und falls doch eine nötig sein sollte, dann reicht eine viel leichtere, die nicht so stark auf den Kreislauf wirkt.
Weist Du, warum er häufig geistig abwesend wirkt? Falls das auf Kreislaufprobleme zurückzuführen ist, sollte es bei der Wahl des Narkosemittels berücksichtigt werden. Wenn es aufgrund von Wahrnehmungsschwierigkeiten (z. B. Schwerhörigkeit) oder aufgrund der Zahnschmerzen ist, sehe ich darin keinen Hinderungsgrund.
Wie Getorix würde auch ich im Zweifel zu einer OP tendieren, aber darauf achten, dass vorher eine umfangreiche Diagnose gemacht wurde.
Frohe Grüße,

Antw:chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Antwort #4
Hallo

erste Röntgenbilder gehen fast immer auch mit wachen Tieren. Für unerlässlich halte ich bei eurem Kaninchen ein seitliches Bild, bei dem der Rötgenstrahl von der einen Backe auf die andere Backe kommt. Diese latero-laterale Position kann man gut durch festhalten des Tieres erreichen. Und Röntgen in Bauchlage vom oben durch den Schädel geht auch problemlos beim wachen Tier. Da braucht es keine Narkose.

Nur bei sehr unkooperativen Kaninchen und Kaninchen, die sich völlig aufregen, macht es Sinn eine Narkose zu machen. Und dann natürlich wenn bei den ersten Rötgenbilder etwas auffällig, aber nicht ganz klar ist und man es genauer anschauen will, indem man noch Detailbilder anfertigt, für die ein Röntgenfilm in den Mund muss.

Es gibt allerdings auch Praxen, die wegen dem Strahlenschutz ihrer Mitarbeitenden, die Tiere lieber kurz sedieren vor den Röntgenbildern. Anders als Narkosen für Operationen sind das aber nur sehr leichte und kurze Narkosen, da ist das Narkoserisiko extrem klein.


Aber ich würde jetzt bei eurem Kaninchen nicht mal davon ausgehen, dass das Narkoserisiko erhöht ist. Dass er die Umwelt manchmal nicht wahrnimmt, heisst ja an und für sich noch nichts. Wenn das ein Sinneswahrnehmungs- oder sogar mentale Ursachen hat und der Stoffwechsel und Kreislauf ganz normal funktionieren, ändert es das Narkoserisiko nicht.
War das Kaninchen denn schon immer schon? Oder entwickelte es sich mit der Zeit?

Hört es gut oder hast du manchmal den Eindruck, dass es schwerhörig ist? Bei Kaninchen mit Backenzahnproblemen/Schnupfen/.... findet man auf Rötgenbilder nämlich nicht so selten auch krankhafte Veränderungen am Innenohr. Die Bulla wird auf Zahnröntgenbildern drauf sein. Achte einfach drauf, dass die Beurteilung des Innenohrs vor lauter Zahnwurzelbeurteilung nicht vergessen geht.
Eine gesunde Bulla typmanica hat dünne Wände und ist im Innern im Rötgenbild schwarz. Wenn es so weisslich ausgefüllt aussieht, wie in dem Röntgenbild im Abschnitt Diagnose bei den roten Pfeilen, liegt eine chronische Mittelohrentzündung vor: http://www.medirabbit.com/GE/Neuro/Bacterial/otitis_ge.htm . Im kleinen Bild, das leider winzig ist, sieht man, wie es normal aussehen sollte.

Frau Böhmer von www.curoxray.de ist die Expertin für Kaninchenzahnerkrankungen. Und da sie weiss, wie schwierig es ist, Zahnröntgenbilder zu beurteilen, wenn man nicht sehr erfahren drin ist,  dürfen andere Tierärtzen ihr Rötgenbilder zusenden und sie beurteilt sie dann entsprechend. Ich würde das unbedingt anregen, wenn deine Tierärztin nicht Kaninchenzahnexpertin ist.


Ist das mit dem unguten Gefühl mit der Narkose ein ungutes Gefühl von dir, oder schätzt die behandelnde Tierärztin das Narkoserisiko auch als erhöht ein?

Liebe Grüsse
Lina

Antw:chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Antwort #5
Hallo,

Ich denke nicht dass es am Kreislauf liegt, obwohl das eigentlich nicht auszuschließen ist. Dass er nicht so gut hören, riechen und sehen kann ist schon wahrscheinlicher. Das ist so weit ich weiß schon immer so, wir haben ihn vor ein paar Monaten von einer Pflegestelle von einem Tierschutzverein aufgenommen, und die sagten dort auch dass das schon immer so war. Wenn wir den nicht genommen hätten hätten sie ihn eingeschläfert weil sie den sonst nicht vermitteln könnten weil ja fast keiner ein krankes Tier haben will. Die Tierärztin ist so weit ich weiß schon sehr erfahren, aber es würde sicher nicht schaden, nochmal anderen Tierärzten das Röntgenbild zu zeigen. Sie sagte auch, dass das Risiko bei Kaninchen höher ist als bei Hunden oder Katzen und auch Meerschweinchen, aber dass es in der Regel kein Problem ist. Dass diese Abwesenheit das Risiko erhört, hat sie nicht gesagt, aber auch nicht ausdrücklich das Gegenteil. Wahrscheinlich machen wir uns auch deshalb sorgen, weil wir bis jetzt nur negative Erfahrungen Mi Operationen haben. Unsere 6 Jahre alte Häsin ist letztes Jahr aus einer Narkose nicht mehr ausgewacht, allerdings war das auch eine deutlich kompliziertere OP und da war es aber auch notwendig. Wenn Monty die OP nicht überleben würde, würde ich mir Vorwürfe machen, dass wir ihn haben operieren lassen, obwohl es ja nicht unbedingt zwingend nötig gewesen wäre, da er ja keine Schmerzen hat. Nach der OP könnte er auch wieder Kern gesund sein, was mich sehr erleichtern würde, aber das kann man auch nicht garantieren. Oder aber er könnte es nicht überleben und dann hätte man es doch besser so gelassen, dann wäre er wahrscheinlich irgendwann daran gestorben, aber dann hätte er wenigstens noch länger gelebt. Aber ich will mal nicht den Teufel an die Wand malen, ich bin nun mal ein sehr emotionaler Mensch und sehr nah am Wasser gebaut und habe vor nicht allzu langer Zeit zwei wunderbare Kaninchen kurz hintereinander verloren und musste außerdem mit ansehen, wie die Kaninchen von Bekannten qualvoll an einer Seuche gestorben sind, da sie einfach nicht zum TA gehen wollten (laange Geschichte:(( und hat auch nichts damit zu tun)
Lg

 

Antw:chronisch krankes Kaninchen Zahn ziehen unter Narkose

Antwort #6
Hallo

ich kenn das. Ich mache mir auch immer so einen Kopf vor Operationen und hätte echt Mühe damit, dass es das Kaninchen nicht schafft. Aber je nach dem, was herauskommt beim Röntgen und der weiterführenden Diagnostik, kann es sehr gut sein, dass die Operation  dann auch wirklich nötig ist.

Klar stirbt ein Kaninchen nicht gleich an einem kaputten Zahn, aber es ist sehr wahrscheinlich der Zahn ihm grosse Schmerzen bereitet.

Man muss davon ausgehen, dass das auch bei Kaninchen Zahnerkrankungen sehr schmerzhafter Prozess sein. Ganz besonders, wenn da Zahnwurzeln falsch in durch den Knochen wachsen, auf Nerven drücken, interne Verletzungen verursachen und das Gewebe infiziert ist, sich auflöst und eitert. Das Kaninchen hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit starke Schmerzen, auch wenn du davon nichts merkst. Und die werden halt auch leider tendenziell noch schlimmer, wenn man nicht operiert, sondern abwartet  :-\.

Denn leider sind Kaninchen sehr, sehr gut darin, ihre Schmerzen nicht zu zeigen, was aber nicht heisst, dass sie keine Schmerzen haben. Ihre Nerven funktionieren nämlich genau so wie bei Hund, Katze und Mensch. Man merkt es als Halter nur nicht, weil Kaninchen nicht jammern und Kaninchen so aufs Fressen programmiert sind, dass nur ganz wenige Kaninchen bei Zahnweh das Fressen einstellen.

Meinem oben erwähnten Kaninchen habe ich z.B. vor der Operation nichts angemerkt. Mein Kaninchen verhielt sich aus meiner Sicht völlig normal. Erst hinterher wurde dann klar, wie sehr er wohl unter Schmerzen gelitten haben muss, da das Kaninchen nach der Operation wesentlich freundlicher wurde und seitdem glücklicher wirkt.

Bei einem Kaninchen, dessen Zahnerkrankung zu kompliziert oder zu weit fortgeschritten ist, als dass man ihm mit einer Operation noch helfen könnte, würde ich persönlich das Kaninchen sogar eher einschläfern als unoperiert weiterleben lassen. Denn ich finde, dass ein Kaninchen auch nichts davon hat, weiterzuleben, wenn das nur noch unter grossen Schmerzen geht. Aber so schlimm wird es bei euch ja hoffentlich nicht sein.