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Thema: E.c. bei Lollo! Einschläfern? (1390-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

E.c. bei Lollo! Einschläfern?

Hallo, Lollo war im Jahr 2013 von einem Tag auf den anderen Hinterbein-gelähmt. Wir haben daraufhin mehrere Tierärzte in Bonn besucht, die uns alle zum sofortigen Einschläfern geraten haben, wenn es sich in zwei Tagen nicht bessert. Er wurde nicht geröngt und es wurde kein Blutbild gemacht, man hat uns auch keine Diagnose gegeben, so haben wir selber herausgefunden, dass es sich vermutlich um E.c. handelt. Daraufhin haben wir zusätzlich zum Vitamin B-Komplex und Cortison (was bei E.c. ja eigentlich gar nicht gut sein soll, habe ich im Nachhinein herausgefunden) Panacur eingefordert, nach einigen Tagen konnte Lollo wie durch ein Wunder eines seiner Hinterbeine wieder benutzen. In diesem Forum wurde uns ein Tierarzt in Köln (Graf-Bildhauer) empfohlen, zu dem wir dann noch ein paar Male gegangen sind, und von dem wir uns besser beraten fühlten, wie von denen in Bonn.
Lollo ging es seitdem wieder gut, er kam super zurecht mit seinen drei Beinen, konnte hoppeln, die Wunden am Po gingen weg.

Doch seit ein paar Wochen geht es ihm wieder schlechter. Erst jetzt im Nachhinein kommt mir dies vor Augen. Er war weniger aktiver als sonst, es ist Fell am Po ausgefallen (das kam öfters nochmal vor, durch baden wuchs es aber wieder nach) und ich habe den Ernst der Lage nicht früh genug erkannt! Nun, seit zwei Tagen sind die wunden, die sich etwa vor vier tagen erkennbar gemacht haben, schlimmer geworden. Und seit gestern habe ich bemerkt, dass er sich gar nicht mehr bewegen kann, wie 2013, als er es zum ersten Mal hatte. Wir sind zu spät zum Tierarzt, ich habe es zu spät bemerkt.

Nun, der Tierarzt in Köln rät uns dringend zum Einschläfern, am besten so früh wie möglich, in 2 Tagen. Röntgen und Blutbild hielt er für überflüssig, ich habe es aber trotzdem eingefordert. Am Röntgenbild war an den Wirbeln und Knochen nichts zu erkennen, es deutet also tatsächlich alles daraufhin dass es tatsächlich E.c. ist (es war nie ganz sicher, aber da die E.c. Behandlung gewirkt hat, gingen wir stark davon aus). Der Tierarzt sagt, dass es keine Hoffnung mehr gibt, trotzdem habe ich mir Panacur und VitaminB Komplex, Schmerzmittel (wegen der Wunden) und Antibiotikum verschreiben lassen.

Man liest ja, dass E.c. manchmal erst nach Wochen weggeht, doch der Tierarzt sagt, bei Lollo wird das nicht passieren, weil seine Muskeln schon zu stark zurückgegangen sind (gar nicht mehr benutzen tut er das bein jedoch erst seit ein paar tagen...).

Was sagt ihr? Ich möchte nicht dass er leidet, aber ich werde ihn nicht einschläfern solange es noch Hoffnung auf Besserung gibt und er isst (er isst viel wie immer)

    Charly               Lotta                Lollo

Antw:E.c. bei Lollo! Einschläfern?

Antwort #1
Hallo,

habt ihr denn die Blutbefunde schon vorliegen? Leider ist es so, dass E.c. häufig auch Organe außerhalb des zentralen Nervensystems angreift. Insbesondere die Nieren sind sehr häufig betroffen, was im fortgeschrittenen Stadium zu Nierenversagen und Blutarmut führen kann. Diese Werte würde ich in die Entscheidung miteinbeziehen.

Eine starke Muskelatrophie kann hinweisend sein auf eine systemischer Erkrankung oder auf eine bereits länger bestehende Nervenschädigung/-Lähmung.

Wie alt ist dein Lollo? Hast du das Gefühl, dass er noch Appetit, Lebensfreude und Interesse an seiner Umwelt hat?

Dres. Graf-Bilderhauer sind sicher keine Tierärzte, die vorschnell zur Euthanasie raten würden :-\


Liebe Grüße und alles Gute
Cleo

Antw:E.c. bei Lollo! Einschläfern?

Antwort #2
Er isst sehr viel, hat aber trotzdem etwas abgenommen, er ist halt von Natur aus schon immer sehr dünn gewesen. Ich gebe ihm zum päppeln eine Samenmischung, die liebt er und kann gar nicht genug davon bekommen. Aber auch Heu, Gras und Wildkräuter isst er noch zur genüge, natürlich nur wenn es vor seiner Nase liegt, bewegen kann er sich nur um ein paar 10cm wie eine Robbe :( Ich weiß, dass das kein schönes Kaninchenleben ist und kein Dauerzustand bleiben kann, aber wenn es noch Hoffnung auf Besserung geben sollte, sollte man es dann nicht wenigstens noch für ein paar Wochen versuchen...?

Der Tierarzt, den ich eigentlich auch sehr schätze, hat schon von Tierquälerei geredet. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass ich so sehr gegen seine Meinung angeredet habe, einfach um auch die andere Sichtweise mit ins Spiel zu bringen, und somit als 16-jährige ziemlich verantwortungslos gewirkt habe, sodass er vielleicht etwas übertrieben hat, aber ich weiß es natürlich nicht.

Ich sehe nicht, dass er so sehr leidet, dass man ihn sofort einschläfern muss. Das kann man natürlich bei Kaninchen auch nur schwer sehen und die wunden am po werden ihm sicherlich wehtun, aber solange er noch isst zeigt das doch dass er noch nicht aufgegeben hat oder?

Wegen dem Blutbild sollen wir morgen anrufen, der E.c. Tilter kommt allerdings erst Freitag

    Charly               Lotta                Lollo

Antw:E.c. bei Lollo! Einschläfern?

Antwort #3
Achso, und Lollo ist vor ein paar Tagen 5 geworden, er hat fast sein gesamtes Leben mit 3 Beinen gelebt

    Charly               Lotta                Lollo

Antw:E.c. bei Lollo! Einschläfern?

Antwort #4
Der Appetit bzw. die Futteraufnahme ist zwar ein wichtiges (und eines der am stärksten und längsten erhaltenen), jedoch bei Weitem nicht das Einzige Kriterium für Lebenswillen und Lebensqualität. Daneben gibt es viele weitere Faktoren für das Wohlbefinden eines Tieres - darunter fallen u.a. problemfreier Harn- und Kotabsatz/Verdauung, Pflegezustand, Juckreiz- und Schmerzfreiheit, Bewegungsmöglichkeit, soziale Interaktion, Entspannung und Aktivität (Tiefschlaf, Neugier, Spielverhalten, ...), Körperkondition (Ernährungszustand, Bemuskelung...), ausführen typischer Verhaltensmuster (z.B. hoppeln, buddeln, springen, knabbern, Fellpflege, kuscheln), Möglichkeiten des Besitzers (zeitlich, finanziell, fachlich, emotional) etc. Dazu kommen unten noch weiterführende Links.

Ich weiß, dass Graf-Bildhauers schon vollständig gelähmte Kaninchen über mehrere Wochen begleitet haben. Ganz sicher sprechen sie nicht leichtfertig von Quälerei oder Euthanasie. Es ist ganz schwierig, eine objektive Meinung zu bilden. Sowohl als Außenstehender und erst recht als emotional gebundener Besitzer. 5 Jahre ist natürlich auch kein Alter.

Ich kann den Zustand deines Tieres oder die Prognose aus der Ferne natürlich nicht beurteilen. Medizinisch bist du bei den o.g. Tierärzten sicher gut betreut. Ich würde dir empfehlen, dich noch einmal kritisch mit dem Thema zu befassen und die behandelnden Tierärzte dann noch einmal ganz direkt auf das Thema anzusprechen und deine Gedanken und Bedenken in Ruhe mit Ihnen zu diskutieren.

Hier findest du vielleicht Denkanstöße:

Es macht Sinn, eine "Quality of life scale" anzulegen und täglich zu evaluieren (Intensivpatienten zudem täglich wiegen, um einschätzen zu können, ob die Futteraufnahme auch ausreicht). Dafür gibt es verschiedene Vorschläge. Ganz wichtig ist für mich (mittel- bis langfristig) der Grundsatz "more good days than bad days". Leider sind mir vor allem englische Seiten bekannt, doch da es sich nur um Stichworte handelt, ist das Englisch sehr leicht zu verstehen.

http://www.lapoflove.com/Pet_Quality_of_Life_Scale.pdf

https://journeyspet.com/pet-quality-of-life-scale-calculator/

http://vet.osu.edu/assets/pdf/hospital/companionAnimals/HonoringtheBond/HowDoIKnowWhen.pdf

Hier noch eine deutsche Seite, die sich primär mit dem Thema Euthanasie und der Wahl des Zeitpunktes befasst:
http://www.kleintierpraxis-badorb.de/Euthanasie


Liebe Grüße